Gespräch mit Dr. Vera Koppenleitner, Projektkoordinatorin von „Places to see Frankfurt – Museen, Palmengarten, Zoo“


Foto: © Städel Museum, Frankfurt am Main

Frau Vera Koppenleitner haben wir Ende April 2017 in ihrem Büro im Kulturamt der Stadt Frankfurt getroffen, um mehr über das Projekt „Places to see“ zu erfahren, welches sie inzwischen seit knapp einem Jahr koordiniert. Frau Koppenleitner, was ist die Idee des Projekts und wer steht hinter dem Projekt?

Vera Koppenleitner: Die Vermittlungsabteilungen der Frankfurter Museen, allen voran MMK Museum für Moderne Kunst, Weltkulturen-Museum, Städel Museum und Jüdisches Museum, hatten die Idee bereits Ende 2015. Das war zu einem Zeitpunkt, als gerade sehr viele geflüchtete Menschen in Frankfurt angekommen waren und viele von ihnen in Notunterkünften lebten. Der Grundgedanke war eigentlich ganz einfach: Die Menschen sollten regelmäßig und kostenfrei die Möglichkeit erhalten, in Begleitung von Frankfurterinnen und Frankfurtern die hiesige Museen in ihrer Breite kennenzulernen und die Kunst und Kultur der Stadt aktiv zu erleben. Damit sollte auch ein Beitrag geleistet werden, der schwierigen Situation in den Notunterkünften entgegenzutreten und die Zeit des Wartens und Bangens zumindest für einen Nachmittag zu verkürzen.

Wie hat sich das Projekt seit Projektstart weiterentwickelt?

Vera Koppenleitner: Heute stehen hinter „Places to see Frankfurt“ 22 Kunst- und Kultureinrichtungen in Frankfurt. Das sind alle bekannten Frankfurter Museen sowie Zoo und Palmengarten. Finanziert wird das Projekt durch den Kooperationspool der Stadt Frankfurt (Kulturdezernat). Es gibt gute Kooperationen mit den Unterkünften für geflüchtete Menschen und verschiedenen anderen Gruppen, wie Frauengruppen oder Schülergruppen. Inzwischen haben wir auch immer mehr Mitarbeiter/innen, die selbst Fluchterfahrung haben und sich als Dolmetscher/innen und Kulturpat/innen engagieren. Für die Unterkünfte bieten wir feste und regelmäßige Termine an. In den Ferien finden zudem Workshops für Schulkinder und Familien statt. Hier können die Kinder nicht nur der Kunst und Kultur näher kommen, sondern auch andere Frankfurter Kinder und ihre Familien kennenlernen. Ganz neu haben wir zudem eine geschlossene Facebook-Gruppe, die kulturinteressierte Geflüchtete und Beheimatete zusammenbringt. Über die Gruppe werden regelmäßig Museumsbesuche organisiert, die allen Frankfurtern offenstehen.

Wie sieht ein typischer Nachmittag mit „Places to see“ in Frankfurt aus?

Vera Koppenleitner: Ehrenamtlichen Helfer/innen fahren in die Unterkünfte, treffen dort die interessierten Museumsgänger/innen und begleiten sie ins Museum. In einer Führung besichtigen alle gemeinsam die Sammlung oder die laufende Ausstellung. Dabei erfahren sie nicht nur etwas über die Geschichte Frankfurts, über archäologische Schätze, exotische Tiere oder Meisterwerke der Kunst, der kulturelle Austausch und die Möglichkeit zum Dialog stehen immer im Vordergrund. Häufig gibt es im Anschluss noch einen praktischen Teil in Form eines Workshops, in dem die Teilnehmer/innen und die Begleiter/innen selbst aktiv werden können. Hier werden Taschen bedruckt und Stoffmuster getauscht, Skizzen erstellt und Hochhäuser entworfen oder einfach Erinnerungen und Wünsche festgehalten. Und manchmal trinken am Schluss alle zusammen Kaffee oder essen die im Palmengarten selbstgemachte Schokoladencreme. Je nach Deutschkenntnissen wird auch gedolmetscht.

Wie können sich Ehrenamtliche in dem Projekt einbringen?

Vera Koppenleiter: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich im Projekt einzubringen. Das geht über organisatorische Mithilfe bis hin zu einer regelmäßigen Begleitung der Gruppen aus den Unterkünften. Ehrenamtliche pflegen den Kontakt zu den Unterkünften, sind bei den Führungen und Workshops dabei, leisten Übersetzungshilfe und sind erste Ansprechpartner für die geflüchteten Menschen. Die Begleiter/innen holen das Feedback zu Veranstaltungen ein und können eigene Ideen für Angebote einbringen. Ohne die ehrenamtliche Unterstützung wäre das Projekt nicht möglich.

Wir suchen weiterhin ehrenamtliche Unterstützung. Dabei wäre es schön, wenn sich die Ehrenamtlichen für Kunst und Kultur interessieren, kulturell sensibel sind und gerne im Team arbeiten. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit ist es möglich, sich einen Nachmittag im Monat oder mehr einzubringen. Wichtig ist die zuverlässige Planbarkeit des Einsatzes.

Wie können Interessierte mit Ihnen Kontakt aufnehmen?

Vera Koppenleiter: Interessierte können direkt mit mir Kontakt aufnehmen, am besten per Email: vera.koppenleitner@stadt-frankfurt.de. Wir verabreden dann ein persönliches Kennenlerngespräch. Außerdem können Interessierte auch Mitglied in unserer Facebook-Gruppe werden: https://www.facebook.com/groups/108844639761728/.